Geschichte   


Orteshusen wird Odershausen


Odershausen um 1916

Das Dorf Odershausen wurde erstmalig im Jahre 1309 urkundlich erwähnt. Graf Heinrich von Waldeck gab dem Stiftsherren Ludwig von Urff und seinem Bruder Heinrich von Urff ein Lehen in Orteshusen. Seitdem hat sich die Schreibweise des Ortsnamens mehrfach geändert: 1340 Odershusen, 1360 Odirshusin, 1402 Odirshusen, 1487 Adershausen, später Otershusen und Utershusen, 1733 Oddershausen und danach dann Odershausen. Das und noch viele weitere interessante Informationen kann man im Ortssippenbuch von Odershausen* ausführlich nachlesen. Dort findet man auch ein Verzeichnis der Odershäuser Höfe, Wohnplätze und Gärten zusammen mit einer Kopie eines zeitgenössischen Lageplans aus dem Jahr 1753.

Quelle: Waldeckische Ortssippenbücher, Band 61, Herausgeber - Waldeckischer Geschichtsverein e.V., Bad Arolsen 1998.




1309 - 2009

Im Jahr 2009 im Mai feierte man die 700-Jahrfeier
in Odershausen mit einer Vielzahl von Aktionen im Dorf selbst und auch rundherum. Im Zuge der Vorveranstaltungen zur Jahrfeier wurde im September 2008 ein historischer Erntetag "wie früher auf dem Dorfe" durchgeführt.



Das Dorf und seine Kirche


Blick auf Odershausen um 1916 Das markanteste Gebäude damals war die Kirche in der Dorfmitte. Hier sieht man sie noch mit ihrem ursprünglichen kleinen Kirchturm in Form eines "Dachreiters", der sich auf dem Dach in der Gebäudemitte befand.


Im Jahr 1909 saß der Kirchturm als "Dachreiter" noch mittig auf dem Gebäude. Erst im Jahr 1922 wurde er entfernt und durch einen größeren Turm ersetzt, der auf der linken Seite an das Kirchenschiff angebaut wurde.

Vor der
Reformation gehörte die Odershäuser Kirche zum Archipresbyteriat Bergheim, zum Archidiakonat Fritzlar und zur Diözese Mainz. Die Pfarrkirche befand sich ursprünglich im Besitz derer von Westerburg und wurde 1402 dem  Johanniterorden übergeben. Im Jahre 1545, nach Aufhebung des Wildunger Johanniterhauses, fiel das Patronat an die Grafen von Waldeck.

Der Blutfleck in der Odershäuser Kirche

Diese überlieferte Geschichte über einen Mord während des Gottesdienstes wird seit Generationen im Dorf Odershausen weitererzählt. Der Odershäuser Karl Knüppel hörte sie von seinem Großvater Heinrich Knüppel und dieser wiederum von Herrn von Hanxleden.

Dieser Herr von Hanxleden hatte seinen Hof, den Gershäuser Hof zwischen Braunau und Bergfreiheit, durch Misswirtschaft und großzügige Lebensweise verloren.
Das geschah wohl nach 1860. Dabei muss es sich um Ferdinand Wilhelm Ernst Philipp von Hanxleden, den letzten Besitzer aus der alten Adelsfamilie derer von Hanxleden, gehandelt haben. Ohne Dach über dem Kopf fand er Unterschlupf in dem Bauernhaus der Familie Knüppel in Odershausen. Für ein paar Monate wohnte er also bei den Knüppels und während dieser Zeit schrieb er auf zwei Blättern Papier mit dunkler Tinte in Versform die Geschichte vom Blutfleck in der Kirche nieder. Diese beiden Blätter, die Karl Knüppel als kleiner Junge noch in den Händen gehabt hat, sind allerdings im Laufe der Zeit leider verloren gegangen.

Herr von Hanxleden erzählte damals, dass etwa im 13. oder 14. Jahrhundert bei den Entenpfühlen gegenüber den Hünengräbern, dicht an der Straße von Reinhardshausen nach Odershausen, eine Ritterburg gestanden habe. Der Ritter dieser Burg sei Lehnsherr über die Dörfer Odershausen, Braunau, Kirchrode, Elshausen, Gershausen und Reinhardshausen gewesen. Sonntags sei dieser ritterliche Herr immer in die Kirche nach Odershausen gegangen, das damals wohl Mittelpunkt des Kirchspiels dieser sechs Orte gewesen sei.

Der Pfarrer in Odershausen durfte mit dem Gottesdienst jedoch nicht anfangen, bis der Ritter eingetroffen war. Eines Sonntags aber soll der Pfarrer nach langem Warten schließlich doch mit seinem Gottesdienst begonnen haben. Als der Ritter schließlich in der Kirche im Gottesdienst ankam, soll er voller Zorn und wutentbrannt über die Eigenmächtigkeit des Pfarrers auf diesen zugestürzt sein und ihn vor der völlig entsetzten Gemeinde erstochen haben. Der Blutfleck dieser ruchlosen Tat soll noch lange auf den Sandsteinplatten auf dem Boden neben dem Altar der Kirche sichtbar gewesen sein, bis sie ausgewechselt wurden.

Zur Sühne seiner Schuld musste der Ritter dann auf Geheiß der Waldecker Grafen der Odershäuser Kirche ein prächtiges Altarbild stiften. Dieses kostbare Altarbild wurde dann später während des Dreißigjährigen Krieges von plündernden Soldaten aus der Kirche gestohlen und in der Braunauer Gemarkung weggeworfen. Die Braunauer hätten es dann in ihrer eigenen Kirche aufgestellt und sich geweigert, es wieder an die Odershäuser herauszugeben. So sagen es die Odershäuser. Die Braunauer dagegen sagen es ganz anders. Der Überlieferung nach soll der Flügelaltar von der frommen Frau eines Ritters von Wiesenfeld für das Seelenheil ihres Gatten, der ein sündhaftes und gottloses Leben geführt haben soll, gestiftet worden sein. In den Wirren des Dreißigjährigen Krieges sei dann das Altarbild auf unbekannten Wegen vorübergehend in Odershausen und anschließend in Braunau in Sicherheit gebracht worden. Bis heute hängt nun das Altarbild in der Kirche von Braunau.

Nun aber zu der gruseligen Geschichte, die der Herr von Hanxleden wohl damals auf den beiden Papierblättern mit dunkler Tinte in Versform niedergeschrieben hat. In diesem Buch ist sie zu finden:


Die Geschichte in Versform in der altdeutschen Schrift Breitkopf Fraktur


Der Blutfleck am Altar der Kirche zu Odershausen

„Was wimmert die Glocke des Kirchleins im Ort?
Ist einer gestorben? Begräbt man ihn dort?“
„Herr Ritter, es ist eben Kirchenzeit,
zum Gottesdienst ruft die Gemein‘ das Geläut!“
„Das meldet der Pfaff‘ nicht, wies Brauch ist und Pflicht?
Den Gaul mir gesattelt, da halt‘ ich Gericht!“

Es stehet der Priester am heil’gen Altar,
in weißem Gelock, in dunklem Talar.
Er spendet den Segen, hebt betend die Hand,
da stürmt’s in das Kirchlein wie Feuer und Brand.
Dem Priester erstirbt das Amen im Mund.
Es wettert, es tobt durch des Kirchleins Rund:
„Vergaßest du, Pfaffe, so Ehre und Pflicht?
Was ich dir geboten, du achtest es nicht?
Die Glocke vom Turme erst, sie tut mir kund,
was Pflicht war zu künden dein lässiger Mund?
Vergessen? – Die Ausred ist billig und schlecht,
sie mag dir nicht nutzen, ich schaffe mir Recht!“

Jäh hebet der Priester beschwörend die Hand,
ein Schrei! Er sinkt an des Altares Rand,
ein Röcheln! Es bohrt sich tief in sein Herz
des Wütenden Schwert, das kältende Erz.

Erstarrt die Gemeinde! Es sträubt sich das Haar.
Der Mörder stürzt fort vom entweihten Altar,
wirft draußen sich auf das stampfende Pferd,
ein Blick noch, ein letzter, auf Heim und auf Herd.
Die Sporen dem Gaule, durch Stoppel und Korn,
ein Ahasver, stürmt es durch Busch und durch Dorn.

Vom Schlosse des Mörders kein winziger Rest.
Sein Name? Gemieden wie Seuche und Pest.
Am Altare aber, in rostroter Glut
zeigt heut‘ noch ein Fleck des Gemordeten Blut.

Hinweise und Quellen:


Die Odershäuser Kirche 1939


Hier sieht man die Odershäuser Kirche in ihrer heutigen Form.






Auf der linken Seite der Kirche sieht man den Kirchturm als Anbau an das Kirchenschiff. Der untere Teil des Kirchturms bildet heute den Eingangsbereich der Kirche.




Siegel der Kirchengemeinde Odershausen




Das Dorf Odershausen im Jahre 1909



So ist über das Dorf Odershausen im Buch "Waldeckische Landeskunde" von Dr. Victor Schultze aus dem Jahr 1909 auf den Seiten 122-124 Folgendes zu lesen:

"Die kleine Hochebene von Braunau und Odershausen, die sich unmittelbar an den südlichen Hochrand der Wildunger Landschaft legt, bilden ein gegen 3 km breites, sanft muldenförmiges Becken mit östlicher und südöstlicher Senkung. Ein Hügelzug (Herberod und Dickersberg) teilt das Hochland in eine nordwestliche und eine tiefer südöstliche Hälfte; in der ersteren liegt der uns bekannte Ort Odershausen, in der tieferen Hälfte das Kirchdorf Braunau. Die Odershäuser Gemarkung wird von zwei Wiesentälchen durchfurcht, durch welche die vom Auenberge abfließenden Quellbäche, der Kalte Brunnenbach und der Dornbach, der Talenge im Dorfe Odershausen zueilen, wo sie den bekannten Wasserfall zum tiefen Helenental von Wildungen bilden. [...]

Die von Odershausen westwärts durch Laub- und Nadelwald führende Straße, in der Wildunger Waldung Pärrnerweg d.h. Pfarrerweg genannt, wird wegen ihrer schönen Waldpartien von Kurfremden gern befahren. (Hünengräber östlich vom Pärrnerwege!) An den Nordrand des Odershäuser Hügelgeländes gliedert sich die Feldmark der Jägersburg, eine Niederung zwischen Hirschraufe und Nickelskopf, die bis an die Hundsdorf-Wildunger Landstraße grenzt. Dieser Bau hat für die umliegenden Orte und für den Freund heimatlicher Geschichte ein besonderes Interesse. Hier befand sich das 1718 von dem Fürsten Anton Ulrich erbaute Jagdschloß Jägersburg nebst einer Fürstlichen Meierei. In späteren Jahren überließ man es dem Verfall; 1860 wurde es auf Abbruch verkauft und die Meierei aufgeteilt. Sie kam in den Besitz von Landwirten aus Albertshausen, Odershausen und Hundsdorf. Heute findet der Wanderer in den verwilderten Resten eines Obstgartens und einigen ganz von Rasen und Erdwällen verdeckten Mauersteinen die letzten Reste jenes Baues, doch hat sich der Name bis jetzt erhalten."


Quelle: Waldeckische Landeskunde. Im Auftrage des Geschichtsvereins für Waldeck und Pyrmont, herausgegeben von Dr. Victor Schultze, Professor an der Universität Greifswald. Mengeringhausen 1909, Kommissionsverlag der Weigelschen Hofbuchdruckerei. Seite 122-124.


Flurnamen der Gemarkung Odershausen


Quelle:
Waldeckische Ortssippenbücher, Band 61, Herausgeber - Waldeckischer Geschichtsverein e.V., Bad Arolsen 1998, S. 26.
Siehe auch
"700 Jahre Odershausen Geschichte und Geschichten 1309-2009". Herausgegeben vom Verein zur Förderung der Dorfgemeinschaft e.V. im Jahr 2009, S. 46ff.


Das Mittelstück zwischen den Fischteichen und der Umgehungsstraße






Auszug aus der Flurnamenliste des Katasteramtes Wildungen, Kreis der Eder, Gemarkung Odershausen aus dem Jahr 1859

Hinweis: Alle Flurnamen können auf der Seite des Landesgeschichtlichen Informationssystems Hessen (LAGIS) unter https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/entdecken abgerufen werden.


Die Jägersburg - ein Jagdschloss der Fürsten von Waldeck

  
Fürst Friedrich Anton Ulrich von Waldeck-Pyrmont (*27.11.1676 , +1.1.1728)



Der dem Waidwerk sehr zugetane Fürst Friedrich Anton Ulrich von Waldeck-Pyrmont ließ von 1719 bis 1723 im Kellerwald nördlich von Odershausen auf dem halben Wege nach Hundsdorf ein kleines Jagdschloss bauen, das er die Jägersburg nannte. Die großen Wildbestände an Rot- und Schwarzwild luden zum Jagen ein und sollten das höfische Treiben bereichern.
So errichteten Zimmerleute im fürstlichen Auftrag aus Fachwerk mit Lehmsteinen einen quadratischen, zweigeschossigen Mittelbau, an dessen vier Ecken je ein eingeschossiger Pavillon in der Grundfläche von 2,90m x 2,90m (10 Schuh x 10 Schuh, Größe einer ansehnlichen Stube) angebaut war. Das Erdgeschoss des Mittelbaus war ein massiver Steinbau mit ca. 2,95m Geschosshöhe, der zweite Stock war in Fachwerk mit Lehmsteinfüllung gebaut und war ca. 2,70m hoch. Die Jägersburg war 9,50m (32,5 Schuh) lang und ebenso breit. Die massiv ausgeführten Souterrains waren ca. 2,90m (10 Schuh) hoch, das erste Stockwerk ca. 3,50m (12 Schuh) und das zweite Stockwerk ca. 2,60m (9 Schuh).
Das Mansardendach war mit Schiefer gedeckt, genauso wie die Pyramidendächer der vier Pavillons. An der Süd- und Nordseite befanden sich Eingänge. Dort waren zwischen den Pavillons Gräben ausgehoben, über die Zugbrücken führten.

Lageplan der Jägersburg um 1730


a
herrschaftliches Haus

h
Scheune
b
Garten

i
Backhaus
c
Hof

k
Schweinestall
d
Conduktor-Wohnung

l
Brunnen
e
geplante Neubauten

m
Mistenstätte
f
Küche (unter der Küche sind zwei Gewölbekeller)

o
Meiereigarten
g
Stall (Viehhaus)

p
Wildunger Weg



q
Böschungsmauer

Das Innere der Jägersburg war bequem eingerichtet, so dass auch größere Jagdgesellschaften untergebracht werden konnten. In der Nähe des Jagdschlosses, das von schönen Gärten mit Obstbäumen umgeben war, befand sich ein Brunnen. Ursprünglich gehörte zu der Jägersburg auch eine kleine Domäne mit dazugehörenden Ländereien und eine Meierei, das ist ein landwirtschaftliches Gut, das von einem adeligen Grundherren gepachtet wird. Die Jägersburg wurde für den jagdfreudigen Waldecker Fürsten und seine illustren Jagdgesellschaften ein oft besuchter Aufenthaltsort. Das Wasser für die Jägersburg kam aus dem Nesselborn. Er befand sich im Wald nach Armsfeld zu. Durch hölzerne Röhren wurde das Wasser zur Burg geleitet.




Nach dem Tode des jagdliebenden Fürsten am 1. Januar 1728 wurde dieser im ehemaligen Kloster Marienthal in der Grabkapelle St. Nikolaus in Netze beigesetzt. Der Sohn des Erbauers, der Fürst Carl August Friedrich von Waldeck-Pyrmont (1743-1812), war bei Weitem kein so leidenschaftlicher Jäger wie sein Vater. Er verpachtete deshalb die Jägersburg mit allen Ländereien und Gebäuden. Die Pächter waren der Meier Peter Frautsche (1729), Conductor Göbert (1733), Hermann Gottfried Christian Padberg (1763), Adam Hahn (1768) und Conductor Gippert (1773-1780). Im Anschluss traten die Gemeinden Albertshausen und Odershausen zusammen die Nachfolge an und pachteten die Äcker, Weisen, einen Teil der Gärten und die Hude zu einem jährlichen Pachtzins von 95 Reichstalern.

Im Jahr 1789 übernahm der Geheime Kammerrat Brumhard aus Wildungen die Gebäude und ließ sie aufwändig reparieren, die Dächer mit Schiefer belegen, den Hof planieren, die Gärten mit Obstbäumen bepflanzen und eine Hecke darum ziehen. Kammerrat Brumhard genoss großes Ansehen, war überdies mit irdischen Gütern reich gesegnet und hatte damit
große Macht. Scherzhafter Weise wurde er in der Bevölkerung "der Fürst von Wildungen" genannt. Aufgrund seines Vermögens stand er beim Fürsten Friedrich in großer Gunst. Dieser befand sich nämlich oft in Geldverlegenheit und lieh sich bei Brumhard eine bedeutende Summe. Da der Fürst sie jedoch nicht zurückzahlen konnte, erlaubte er Brumhard sein Jagdschloss im Sommer zu bewohnen, wovon dieser auch über 24 Jahre hinweg Gebrauch machte. Danach gab Brumhard die Gebäude und Grundstücke an Fürst Georg Heinrich von Waldeck-Pyrmont zurück.

Die nächsten Pächter waren danach August Jeremias Agh (+1827), sein Sohn Johann Ludwig August Agh (+1849). In 1840 muss die Jägersburg leergestanden haben, denn die Brüder Wilhelm und Friedrich Meißner aus Schwelm stellten den Antrag, ihnen das Gebäude zur Einrichtung einer Weberei zu überlassen. Dieser Plan wurde dann aber doch nicht umgesetzt.

Später wohnten drei Familien auf der Jägersburg, die Familie des Leinewebers August Brauer (+1896), die Familie des Schneiders und Lumpensammlers Karl Sommer und die Familie Keute aus Battenhausen, die von 1846 bis 1857 auf der Jägersburg wohnte.

Ab dem Jahr 1857 wurden die verfallenen Gebäude dann auf Abbruch verkauft. Teile der Meiereigebäude erwarb die
Firma Kirchner & Menge aus Arolsen, die das Material in ihrem in in der Nähe befindlichen Schieferbruch auf dem Hahnberg verwenden wollte. Die Ländereien der Meierei wurden aufgeteilt und kamen in den Besitz von Landwirten aus Albertshausen, Odershausen und Hundsdorf.

Den Hauptanteil des eigentlichen Jagdschlosses, die noch brauchbaren Eichenbalken und das Steinmaterial, erwarb
der aus dem hannoverschen Bruchhausen stammende Wildunger Apotheker Conrad Feldmann. Dieser war bereits ab 1846 der Eigentümer der Löwenapotheke am Marktplatz. Die Apotheke verkaufte er jedoch 1862 weiter. Im selben Jahr ließ Feldmann das Jagdschloss in Odershausen vollständig abtragen. Mit dem Baumaterial wurde bereits im selben Winter in der unteren Brunnenallee von Bad Wildungen der Bau einer Villa begonnen. Die Bauarbeiten zogen sich bis ins nächste Jahr 1863 hin. Das recht schlichte, klar gegliederte Gebäude in der Brunnenallee Nr. 7 an der Ecke der heutigen Krügerstraße mit der Brunnenallee nutzte Feldmann dann auch zur Zimmervermietung an Kurgäste. Nach 10 Jahren, also 1873, verkaufte Conrad Feldmann die Villa zusammen mit dem ganzen Grundstück.


Hotel Zimmermann

Im Jahr 1873 erwarb der 27jährige Gastwirt Hermann Reinhold Zimmermann die Villa des Apothekers Conrad Feldmann zusammen mit dem bis zum Abhang des Bornebachhanges hinunterreichenden Gartengrundstücks. Zusammen mit seiner Ehefrau Margarete Elise machte er aus der Villa ein Hotel, das er fortan mit viel Geschick unter dem Namen "Hotel Zimmermann" betrieb.

             Hotel Zimmermann von 1873-1924

Nach verschiedenen An- und Umbauten am Hotel Zimmermann entstand im November des Jahres 1912 im Speisesaal ein fest eingerichtetes "Kinematographen-Theater". Am 17. November 1912  begann dort unter dem Namen "Lichtspielhaus Central-Theater" die erste Vorstellung. So lässt sich also ein weiter Bogen schlagen von dem fürstlichen Jagdschloss Jägersburg bei Odershausen bis hin zum Central-Kino in der Brunnenallee von Bad Wildungen. Dieser historische Zusammenhang ist aber nur wenigen Wildungern bekannt.

Heute findet man an der Stelle der ursprünglichen Jägerburg bei Odershausen noch immer verwilderte Obstbäume, verwitterte Reste der Fundamentmauern, Reste der Böschungsmauern, die den Schlossgarten umgaben, ein paar Erdwälle und den Brunnen, der die Jahrhunderte bis heute überdauert hat. Im Jahr 2005 wurde der lauschige Platz von Odershäusern als Projekt zur Landesgartenschau 2006 hergerichtet und ist nun als "Jägersburg" Teil des Naturerlebnispfades Odershausen. Der Brunnen wurde neu gefasst und mit einem kleinen Schutzdach versehen. In einer Schutzhütte am Ort des früheren Meiereigartens sind einige Schautafeln mit umfangreichen Informationen zu finden und Bänke laden dort zum Verweilen ein.


Die Jägersburg heute, Blick Richtung ehemaliger Meiereigarten (22.04.2020, Fotos GRav)




Der 2005 neu gefasste Brunnen der früheren Jägersburg

Quellen:


Die Hässelhütte


Im Jahr 1980 wurde unter der Regie des Ortsvorstehers Dieter Münch, der gleichzeitig auch Ortsbeauftragter des Technischen Hilfswerks (THW) ist, südwestlich von Odershausen Richtung Jägersburg in einem kleinen Wäldchen im Kaltebornsbachtal eine Grillhütte errichtet. Mit Hilfe des THW wurde in Eigenleistung vieler Aktiver und Helfer in vielen Arbeitsstunden die "Hässelhütte" gebaut. Seit Anfang ist die Hässelhütte ein beliebter Treffpunkt der Odershäuser. Dort finden seitdem auch die Osterfeuer statt.




Die Hässelhütte am 02.03.2024 (GRav)



Das Leben und Arbeiten früher "auf dem Dorfe"










Kuhgespann, Friedrich und Heinrich Schäfer 1935
(Quelle: "700 Jahre Odershausen – Geschichte und Geschichten 1309-2009", herausgegeben vom Verein zur Förderung der Dorfgemeinschaft e.V. im Jahr 2009, S. 197.)



Heinrich Knüppel mit Pferdegespann und Ackerwagen vor Krafts Hof im Pärrnerweg im Jahre 1936
(Quelle: "700 Jahre Odershausen – Geschichte und Geschichten 1309-2009", herausgegeben vom Verein zur Förderung der Dorfgemeinschaft e.V. im Jahr 2009, S. 195.)



Blick vom Dickersberg auf die Koppe (1915)
(Quelle: "700 Jahre Odershausen – Geschichte und Geschichten 1309-2009", herausgegeben vom Verein zur Förderung der Dorfgemeinschaft e.V. im Jahr 2009, S. 226.)


An der Koppe, Adam Reuter
(Quelle: "700 Jahre Odershausen – Geschichte und Geschichten 1309-2009", herausgegeben vom Verein zur Förderung der Dorfgemeinschaft e.V. im Jahr 2009, S. 227.)


Getreideernte in Odershausen


Blick vom Dickersberg 1968
(Quelle: "700 Jahre Odershausen – Geschichte und Geschichten 1309-2009", herausgegeben vom Verein zur Förderung der Dorfgemeinschaft e.V. im Jahr 2009, S. 223.)




Die Milchlieferanten der Gemeinde Odershausen im Jahr 1946 ...   und im Jahr 1999.
Die Anzahl ist von 72 auf nur noch 4 zurückgegangen!





Blick auf Ansichtskarten von früher


Die Wildunger Straße, damals noch nicht asphaltiert, rechts das Gasthaus "Zum Helenental"









Odershausen um 1916

adelstitel




















Das Leben heute "auf dem Dorfe"




Blickrichtung aus Nordosten auf Odershausen in der heutigen Zeit (Pfeil: Museum)
Die Wildunger Straße (aus der rechten unteren Ecke des Bildes kommend) ist gut zu sehen.



Blick auf die Museumsgebäude an der Wildunger Straße (oben links)


700-Jahrfeier von Odershausen (24.05.2009 Foto GRav)

 

Denjenigen Interessierten, die noch mehr über Odershausen im Wandel der Geschichte und über seine Bevölkerung wissen möchten, sei das Dorfbuch "700 Jahre Odershausen – Geschichte und Geschichten" wärmstens empfohlen. Darin wird unter anderem das dörfliche Leben im Mittelalter ausführlich dargestellt und die Beschreibung durch Urkunden, Karten, Lagepläne und Fotos ergänzt. Gerade das darin beschriebene Salbuch von 1753, eine Art frühe Steuerakte, gibt Auskunft über die bestehenden Rechtsverältnisse zwischen Landesherr und Untertanen und über die Sozialstruktur der Gemeinde.
Die Geschichte des "Lebendigen Museums" beginnt etwa um diese Zeit, genauer im Jahr 1741, im Fürstentum Waldeck. In alten Dokumenten aus 1741 wird die alte Scheune des "Meyersche Hofes" zum ersten Mal erwähnt. Nicht sehr viel jünger ist die zweite Scheune, "Debes Scheune" aus dem Jahr 1758, die heute ebenfalls ein Teil des Museums ist. Somit bilden die direkt nebeneinander liegenden Bauernhöfe der beiden Familien Meyer und Debes bis heute das "Lebendige Museum Odershausen".

[ Quelle: Das Dorfbuch von Odershausen "700 Jahre Odershausen – Geschichte und Geschichten", herausgegeben vom Verein zu Förderung der Dorfgemeinschaft e.V. im Jahr 2009, Seite 21ff. ]

Einen geschichtlichen Überblick in tabellarischer Form über die Zeit von 1300 bis heute finden Sie unter Chronologie der Ereignisse im Laufe der Jahrhunderte.



Zusammengetragen von GRav ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Diese Zusammenstellung ist Bestandteil der Homepage "Das Lebendige Museum Odershausen" [.../Geschichte/Orteshusen wird Odershausen].