Orteshusen
wird Odershausen
Odershausen um 1916
Das
Dorf Odershausen wurde erstmalig im Jahre 1309 urkundlich
erwähnt. Graf Heinrich von Waldeck gab dem Stiftsherren Ludwig von Urff
und seinem Bruder Heinrich von Urff ein
Lehen in Orteshusen. Seitdem hat sich die Schreibweise des Ortsnamens
mehrfach geändert: 1340 Odershusen, 1360 Odirshusin, 1402 Odirshusen,
1487 Adershausen, später Otershusen
und Utershusen, 1733 Oddershausen und danach dann Odershausen. Das und
noch
viele weitere interessante Informationen kann man im Ortssippenbuch
von Odershausen* ausführlich nachlesen. Dort findet man auch ein
Verzeichnis der Odershäuser Höfe, Wohnplätze und Gärten
zusammen mit einer Kopie eines zeitgenössischen Lageplans aus
dem Jahr 1753.
* Quelle:
Waldeckische Ortssippenbücher, Band 61, Herausgeber -
Waldeckischer Geschichtsverein e.V., Bad Arolsen 1998.
1309 - 2009
Im Jahr 2009 im Mai feierte man die 700-Jahrfeier in Odershausen mit einer Vielzahl von Aktionen im Dorf
selbst und auch rundherum. Im Zuge der Vorveranstaltungen zur Jahrfeier wurde im September 2008 ein historischer Erntetag "wie
früher auf dem Dorfe" durchgeführt.
Das
Dorf und seine Kirche

Blick auf Odershausen um 1916 –
Das markanteste Gebäude damals war die Kirche in der Dorfmitte. Hier
sieht man sie noch mit ihrem ursprünglichen kleinen Kirchturm in Form
eines
"Dachreiters", der
sich auf dem Dach in der Gebäudemitte befand.
Im Jahr 1909 saß der
Kirchturm als "Dachreiter" noch mittig auf dem Gebäude. Erst im Jahr
1922 wurde er entfernt und durch einen größeren Turm ersetzt, der auf
der
linken Seite an das
Kirchenschiff angebaut wurde.
Vor der Reformation gehörte die
Odershäuser Kirche zum Archipresbyteriat Bergheim, zum Archidiakonat
Fritzlar und zur Diözese Mainz. Die Pfarrkirche befand sich
ursprünglich im Besitz derer von Westerburg und wurde 1402 dem
Johanniterorden übergeben. Im Jahre 1545, nach Aufhebung des Wildunger
Johanniterhauses, fiel das Patronat an die Grafen von Waldeck.
Der Blutfleck
in der Odershäuser Kirche
Diese überlieferte Geschichte über einen Mord während des
Gottesdienstes wird seit Generationen im Dorf Odershausen
weitererzählt. Der Odershäuser Karl Knüppel hörte sie von seinem
Großvater Heinrich Knüppel und dieser wiederum von Herrn von Hanxleden.
Dieser Herr von Hanxleden hatte seinen Hof, den Gershäuser Hof
zwischen Braunau und Bergfreiheit, durch Misswirtschaft und großzügige
Lebensweise verloren. Das geschah wohl nach 1860. Dabei muss es sich um Ferdinand
Wilhelm Ernst Philipp von Hanxleden, den letzten Besitzer aus der alten
Adelsfamilie derer von Hanxleden, gehandelt haben. Ohne Dach über dem Kopf fand er Unterschlupf in
dem Bauernhaus der Familie Knüppel in Odershausen. Für ein paar Monate
wohnte er also bei den Knüppels und während dieser Zeit schrieb er auf
zwei Blättern Papier mit dunkler Tinte in Versform die Geschichte vom
Blutfleck in der Kirche nieder. Diese beiden Blätter, die Karl Knüppel
als kleiner Junge noch in den Händen gehabt hat, sind allerdings im
Laufe der Zeit leider verloren gegangen.
Herr von Hanxleden erzählte damals, dass etwa im 13. oder 14.
Jahrhundert bei den Entenpfühlen gegenüber den Hünengräbern, dicht an
der Straße von Reinhardshausen nach Odershausen, eine Ritterburg
gestanden habe. Der Ritter dieser Burg sei Lehnsherr über die Dörfer
Odershausen, Braunau, Kirchrode, Elshausen, Gershausen und
Reinhardshausen gewesen. Sonntags sei dieser ritterliche Herr immer in
die Kirche nach Odershausen gegangen, das damals wohl Mittelpunkt des
Kirchspiels
dieser sechs Orte gewesen sei.
Der Pfarrer in Odershausen durfte mit dem Gottesdienst jedoch nicht
anfangen, bis der Ritter eingetroffen war. Eines Sonntags aber soll der
Pfarrer nach langem Warten schließlich doch mit seinem Gottesdienst
begonnen haben. Als der Ritter schließlich in der Kirche im
Gottesdienst ankam, soll er voller Zorn und wutentbrannt über die
Eigenmächtigkeit des Pfarrers auf diesen zugestürzt sein und ihn vor
der völlig entsetzten Gemeinde erstochen haben. Der Blutfleck dieser
ruchlosen Tat soll noch lange auf den Sandsteinplatten auf dem Boden neben dem Altar der Kirche
sichtbar gewesen sein, bis sie ausgewechselt wurden.
Zur Sühne seiner Schuld musste der Ritter dann auf Geheiß der
Waldecker
Grafen der Odershäuser Kirche ein prächtiges Altarbild stiften. Dieses
kostbare Altarbild wurde dann später während des Dreißigjährigen
Krieges von plündernden Soldaten aus der Kirche gestohlen und in der
Braunauer Gemarkung weggeworfen. Die Braunauer hätten es dann in ihrer
eigenen Kirche aufgestellt und sich geweigert, es wieder an die
Odershäuser herauszugeben. So sagen es die Odershäuser. Die Braunauer
dagegen sagen es ganz anders. Der Überlieferung nach soll der
Flügelaltar von der frommen Frau eines Ritters von Wiesenfeld für das
Seelenheil ihres Gatten, der ein sündhaftes und gottloses Leben geführt
haben soll, gestiftet worden sein. In den Wirren des Dreißigjährigen
Krieges sei dann das Altarbild auf unbekannten Wegen vorübergehend in
Odershausen und anschließend in Braunau in Sicherheit gebracht worden.
Bis heute hängt nun das Altarbild in der
Kirche von Braunau.
Nun aber zu der gruseligen Geschichte, die der Herr von Hanxleden
wohl damals auf den beiden Papierblättern mit dunkler Tinte in
Versform niedergeschrieben hat. In diesem Buch ist sie zu finden:


Die Geschichte in Versform in der altdeutschen Schrift Breitkopf
Fraktur
Der Blutfleck am Altar der Kirche zu Odershausen
„Was wimmert die Glocke des
Kirchleins im Ort?
Ist einer gestorben? Begräbt man ihn
dort?“
„Herr Ritter, es ist eben Kirchenzeit,
zum Gottesdienst ruft die Gemein‘ das
Geläut!“
„Das meldet der Pfaff‘ nicht, wies
Brauch ist und Pflicht?
Den Gaul mir gesattelt, da halt‘ ich
Gericht!“
Es stehet der Priester am heil’gen
Altar,
in weißem Gelock, in dunklem Talar.
Er spendet den Segen, hebt betend die
Hand,
da stürmt’s in das Kirchlein wie
Feuer und Brand.
Dem Priester erstirbt das Amen im
Mund.
Es wettert, es tobt durch des
Kirchleins Rund:
„Vergaßest du, Pfaffe, so Ehre und
Pflicht?
Was ich dir geboten, du achtest es
nicht?
Die Glocke vom Turme erst, sie tut
mir kund,
was Pflicht war zu künden dein
lässiger Mund?
Vergessen? – Die Ausred ist billig
und schlecht,
sie mag dir nicht nutzen, ich schaffe
mir Recht!“
Jäh hebet der Priester beschwörend
die Hand,
ein Schrei! Er sinkt an des Altares
Rand,
ein Röcheln! Es bohrt sich tief in
sein Herz
des Wütenden Schwert, das kältende
Erz.
Erstarrt die Gemeinde! Es sträubt
sich das Haar.
Der Mörder stürzt fort vom entweihten
Altar,
wirft draußen sich auf das stampfende
Pferd,
ein Blick noch, ein letzter, auf Heim
und auf Herd.
Die Sporen dem Gaule, durch Stoppel
und Korn,
ein Ahasver, stürmt es durch Busch
und durch Dorn.
Vom Schlosse des Mörders kein
winziger Rest.
Sein Name? Gemieden wie Seuche und
Pest.
Am Altare aber, in rostroter Glut
zeigt heut‘ noch ein Fleck des
Gemordeten Blut.
Hinweise und Quellen:
- Das Wort "Ahasver" im
vorletzten Absatz bezeichnet einen Menschen unbekannter Herkunft, der
Jesus Christus auf dessen Weg zur Kreuzigung verspottete hatte und
dafür von diesem verflucht wurde. Dieser Mensch (oft als der Ewige Jude
oder Wandernde Jude bezeichnet) ist nach dem Fluch unsterblich und dazu
verdammt, immerwährend und ruhelos durch alle Länder umherzuwandern und
darauf zu warten, was Gott mit ihm vorhat.
- "Waldeckische
Ortssippenbücher", Band 61, Deutsche Ortssippenbücher,
Reihe A, Band 255, Odershausen. Bearbeiter Helmut Löwer, Herausgeber
Geschichtsverein e.V. Bad Arolsen 1998, S. 26 und S. 39.
- "700 Jahre Odershausen – Geschichte und Geschichten
1309-2009". Herausgegeben vom Verein zur Förderung der Dorfgemeinschaft
e.V. im
Jahr 2009, S. 179 und S. 196.
- "Landauf, landab! – Geschichte und Geschichten aus dem
Waldecker Land". Ein Heimatbuch von Christian
Fleischhauer, Bad
Wildungen, Verlag Ernst Funk Nachf. 1924, S. 131.
- "Braunau – Beiträge zu
seiner Geschichte". Herausgegeben von Reinhard Dietz und Gerhard Menk
anlässlich der 700-Jahrfeier von Braunau. Bad Wildungen 1990, S. 177f.,
S. 145.

Die Odershäuser Kirche 1939
Hier sieht man die Odershäuser Kirche
in ihrer
heutigen Form.
Auf der linken Seite der Kirche sieht
man den Kirchturm als Anbau an das Kirchenschiff. Der untere Teil des
Kirchturms bildet heute den Eingangsbereich der Kirche.


Siegel der Kirchengemeinde Odershausen

Das Dorf
Odershausen im Jahre 1909
So ist über das Dorf Odershausen im
Buch
"Waldeckische Landeskunde" von Dr. Victor Schultze aus dem Jahr 1909
auf den Seiten 122-124 Folgendes zu lesen:
"Die
kleine Hochebene von Braunau und
Odershausen, die sich
unmittelbar an den südlichen Hochrand der Wildunger Landschaft legt,
bilden ein gegen 3 km breites, sanft muldenförmiges Becken mit
östlicher und südöstlicher Senkung. Ein Hügelzug (Herberod und
Dickersberg) teilt das Hochland in eine nordwestliche und eine tiefer
südöstliche Hälfte; in der ersteren liegt der uns bekannte Ort
Odershausen, in der tieferen Hälfte das Kirchdorf Braunau. Die
Odershäuser Gemarkung wird von zwei Wiesentälchen durchfurcht, durch
welche die vom Auenberge abfließenden Quellbäche, der Kalte Brunnenbach
und der Dornbach, der Talenge im Dorfe Odershausen zueilen, wo sie den
bekannten Wasserfall zum tiefen Helenental von Wildungen bilden. [...]
Die von Odershausen westwärts durch Laub- und Nadelwald führende
Straße, in der Wildunger Waldung Pärrnerweg d.h. Pfarrerweg genannt,
wird wegen ihrer schönen Waldpartien von Kurfremden gern befahren.
(Hünengräber östlich vom Pärrnerwege!) An den Nordrand des Odershäuser
Hügelgeländes gliedert sich die Feldmark der Jägersburg, eine Niederung
zwischen Hirschraufe und Nickelskopf, die bis an die
Hundsdorf-Wildunger Landstraße grenzt. Dieser Bau hat für die
umliegenden Orte und für den Freund heimatlicher Geschichte ein
besonderes Interesse. Hier befand sich das 1718 von dem Fürsten Anton
Ulrich erbaute Jagdschloß Jägersburg nebst einer Fürstlichen Meierei.
In späteren Jahren überließ man es dem Verfall; 1860 wurde es auf
Abbruch verkauft und die Meierei aufgeteilt. Sie kam in den Besitz von
Landwirten aus Albertshausen, Odershausen und Hundsdorf. Heute findet
der Wanderer in den verwilderten Resten eines Obstgartens und einigen
ganz von Rasen und Erdwällen verdeckten Mauersteinen die letzten Reste
jenes Baues, doch hat sich der Name bis jetzt erhalten."
Quelle:
Waldeckische Landeskunde. Im Auftrage des Geschichtsvereins für Waldeck
und Pyrmont, herausgegeben von Dr. Victor Schultze, Professor an der
Universität Greifswald. Mengeringhausen 1909, Kommissionsverlag der
Weigelschen Hofbuchdruckerei. Seite 122-124.
Flurnamen der Gemarkung Odershausen
Quelle:
Waldeckische Ortssippenbücher, Band 61, Herausgeber -
Waldeckischer Geschichtsverein e.V., Bad Arolsen 1998, S. 26.
Siehe auch "700 Jahre Odershausen – Geschichte und Geschichten
1309-2009". Herausgegeben vom Verein zur Förderung der Dorfgemeinschaft
e.V. im
Jahr 2009, S. 46ff.
Das Mittelstück zwischen den Fischteichen und der Umgehungsstraße
Auszug aus der Flurnamenliste des Katasteramtes Wildungen, Kreis der Eder, Gemarkung Odershausen aus dem Jahr 1859
Hinweis: Alle Flurnamen können auf der Seite des Landesgeschichtlichen Informationssystems Hessen (LAGIS) unter https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/entdecken abgerufen werden.
Die
Jägersburg - ein Jagdschloss der Fürsten von Waldeck
  |
| Fürst
Friedrich Anton Ulrich von Waldeck-Pyrmont (*27.11.1676 , +1.1.1728) |

Der dem Waidwerk sehr zugetane Fürst Friedrich Anton Ulrich von
Waldeck-Pyrmont ließ von 1719 bis 1723 im Kellerwald nördlich von
Odershausen auf dem halben Wege
nach Hundsdorf ein kleines Jagdschloss bauen, das er die Jägersburg
nannte. Die
großen Wildbestände an Rot- und Schwarzwild luden zum Jagen ein und
sollten das höfische Treiben bereichern.
So
errichteten Zimmerleute im fürstlichen Auftrag aus Fachwerk mit
Lehmsteinen einen quadratischen,
zweigeschossigen Mittelbau, an dessen vier Ecken je ein eingeschossiger
Pavillon in der
Grundfläche von 2,90m x 2,90m (10 Schuh x 10 Schuh, Größe einer
ansehnlichen Stube)
angebaut war. Das Erdgeschoss des Mittelbaus war ein massiver Steinbau
mit ca. 2,95m Geschosshöhe, der zweite Stock war in Fachwerk mit
Lehmsteinfüllung gebaut und war ca. 2,70m hoch. Die Jägersburg war
9,50m (32,5 Schuh) lang und ebenso breit. Die massiv ausgeführten
Souterrains waren ca. 2,90m (10 Schuh) hoch, das erste Stockwerk ca.
3,50m (12 Schuh) und das zweite Stockwerk ca. 2,60m (9 Schuh).
Das Mansardendach war mit Schiefer gedeckt, genauso wie die
Pyramidendächer der vier Pavillons. An der Süd- und Nordseite
befanden sich Eingänge. Dort waren zwischen den Pavillons Gräben
ausgehoben, über die Zugbrücken führten.
Lageplan der Jägersburg um 1730

a
|
herrschaftliches
Haus
|
|
h
|
Scheune
|
b
|
Garten
|
|
i
|
Backhaus
|
c
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Hof
|
|
k
|
Schweinestall
|
d
|
Conduktor-Wohnung
|
|
l
|
Brunnen
|
e
|
geplante Neubauten
|
|
m
|
Mistenstätte
|
f
|
Küche (unter der
Küche sind zwei Gewölbekeller)
|
|
o
|
Meiereigarten
|
g
|
Stall (Viehhaus)
|
|
p
|
Wildunger Weg
|
|
|
|
q
|
Böschungsmauer
|
Das Innere der Jägersburg war
bequem eingerichtet, so dass auch größere Jagdgesellschaften
untergebracht werden konnten. In der Nähe des Jagdschlosses, das von
schönen Gärten mit Obstbäumen umgeben war, befand sich ein Brunnen.
Ursprünglich gehörte zu der Jägersburg auch eine kleine Domäne mit
dazugehörenden Ländereien und eine Meierei, das ist ein
landwirtschaftliches Gut, das von einem adeligen Grundherren gepachtet
wird. Die Jägersburg wurde für
den jagdfreudigen Waldecker Fürsten und seine illustren
Jagdgesellschaften ein
oft besuchter Aufenthaltsort. Das Wasser für die Jägersburg kam aus dem
Nesselborn. Er befand sich im Wald nach Armsfeld zu. Durch hölzerne
Röhren wurde das Wasser zur Burg geleitet.
Nach dem Tode des jagdliebenden
Fürsten am 1. Januar 1728 wurde dieser im ehemaligen Kloster Marienthal
in der Grabkapelle St. Nikolaus in Netze beigesetzt. Der Sohn des
Erbauers, der Fürst Carl August Friedrich von Waldeck-Pyrmont
(1743-1812), war bei Weitem kein so leidenschaftlicher Jäger wie sein
Vater. Er verpachtete deshalb die Jägersburg mit allen Ländereien und
Gebäuden. Die Pächter waren der Meier Peter Frautsche (1729), Conductor
Göbert (1733),
Hermann Gottfried Christian Padberg (1763), Adam Hahn (1768) und
Conductor
Gippert (1773-1780). Im Anschluss traten die Gemeinden Albertshausen
und Odershausen zusammen die Nachfolge an und pachteten die Äcker,
Weisen, einen Teil der Gärten und die Hude zu einem jährlichen
Pachtzins von 95 Reichstalern.
Im Jahr 1789 übernahm der Geheime Kammerrat Brumhard aus Wildungen die
Gebäude und ließ sie aufwändig reparieren, die Dächer mit Schiefer
belegen, den Hof planieren, die Gärten mit Obstbäumen bepflanzen und
eine Hecke darum ziehen. Kammerrat Brumhard genoss großes Ansehen, war
überdies mit irdischen Gütern reich gesegnet und hatte damit große Macht. Scherzhafter Weise wurde er
in der Bevölkerung "der Fürst von Wildungen" genannt. Aufgrund seines
Vermögens stand er beim
Fürsten Friedrich in großer Gunst. Dieser befand sich nämlich oft in
Geldverlegenheit und lieh sich bei Brumhard eine bedeutende Summe. Da
der Fürst sie jedoch nicht zurückzahlen konnte, erlaubte er Brumhard
sein Jagdschloss im Sommer zu bewohnen, wovon dieser auch über 24 Jahre
hinweg Gebrauch machte. Danach gab Brumhard die Gebäude und Grundstücke
an Fürst Georg Heinrich von
Waldeck-Pyrmont zurück.
Die nächsten Pächter waren danach August Jeremias Agh (+1827), sein
Sohn Johann Ludwig August Agh (+1849). In 1840 muss die Jägersburg
leergestanden haben, denn die Brüder Wilhelm und Friedrich Meißner aus
Schwelm stellten den Antrag, ihnen das Gebäude zur Einrichtung einer
Weberei zu überlassen. Dieser Plan wurde dann aber doch nicht umgesetzt.
Später wohnten drei Familien auf der Jägersburg, die Familie des
Leinewebers August Brauer (+1896), die Familie des Schneiders und
Lumpensammlers Karl Sommer und die Familie Keute aus Battenhausen, die
von 1846 bis 1857 auf der Jägersburg wohnte.
Ab dem Jahr 1857 wurden die
verfallenen Gebäude dann auf Abbruch verkauft. Teile der Meiereigebäude
erwarb die Firma Kirchner
& Menge aus Arolsen, die das
Material in ihrem in in der Nähe befindlichen Schieferbruch auf dem
Hahnberg verwenden wollte. Die Ländereien der Meierei wurden aufgeteilt
und kamen in den Besitz von Landwirten aus Albertshausen, Odershausen
und
Hundsdorf.
Den Hauptanteil des eigentlichen Jagdschlosses, die noch brauchbaren
Eichenbalken und das Steinmaterial, erwarb der
aus dem hannoverschen Bruchhausen stammende Wildunger Apotheker Conrad
Feldmann. Dieser war bereits ab 1846 der Eigentümer der Löwenapotheke
am Marktplatz. Die Apotheke verkaufte er jedoch 1862 weiter. Im selben
Jahr ließ Feldmann das Jagdschloss in Odershausen vollständig abtragen.
Mit dem Baumaterial wurde bereits im selben Winter in der unteren
Brunnenallee von Bad Wildungen der Bau einer Villa begonnen. Die
Bauarbeiten zogen sich bis ins nächste Jahr 1863 hin. Das recht schlichte, klar
gegliederte Gebäude
in der Brunnenallee Nr. 7 an
der Ecke der heutigen Krügerstraße mit der Brunnenallee nutzte Feldmann dann auch zur
Zimmervermietung an
Kurgäste. Nach 10 Jahren, also 1873, verkaufte Conrad Feldmann die
Villa zusammen mit dem ganzen Grundstück.
Hotel Zimmermann
Im Jahr 1873 erwarb der 27jährige Gastwirt Hermann Reinhold Zimmermann
die Villa des Apothekers Conrad Feldmann zusammen mit dem bis zum
Abhang des Bornebachhanges hinunterreichenden Gartengrundstücks.
Zusammen mit seiner Ehefrau Margarete Elise machte er aus der Villa ein
Hotel, das er fortan mit viel Geschick unter dem Namen "Hotel
Zimmermann" betrieb.

Hotel Zimmermann von 1873-1924
Nach verschiedenen An- und Umbauten am Hotel Zimmermann entstand im
November des Jahres 1912 im Speisesaal ein fest eingerichtetes
"Kinematographen-Theater". Am 17. November 1912 begann dort unter
dem Namen "Lichtspielhaus Central-Theater" die erste Vorstellung. So
lässt sich also ein weiter Bogen schlagen von dem fürstlichen
Jagdschloss
Jägersburg bei Odershausen bis hin zum Central-Kino in der Brunnenallee
von Bad Wildungen. Dieser historische Zusammenhang ist aber nur wenigen
Wildungern bekannt.
Heute findet man an der Stelle der ursprünglichen Jägerburg bei
Odershausen noch immer verwilderte
Obstbäume, verwitterte Reste der Fundamentmauern, Reste der
Böschungsmauern, die den Schlossgarten umgaben, ein paar Erdwälle und
den Brunnen,
der die Jahrhunderte bis heute überdauert hat. Im Jahr 2005 wurde der
lauschige Platz von Odershäusern als Projekt zur Landesgartenschau
2006 hergerichtet und ist nun als "Jägersburg" Teil des
Naturerlebnispfades
Odershausen. Der Brunnen wurde neu gefasst und mit einem kleinen
Schutzdach versehen. In einer Schutzhütte am Ort des früheren
Meiereigartens sind einige Schautafeln mit
umfangreichen Informationen zu finden und Bänke laden dort zum
Verweilen ein.

Die Jägersburg heute, Blick Richtung ehemaliger Meiereigarten
(22.04.2020, Fotos GRav)


Der 2005 neu gefasste Brunnen der früheren Jägersburg
Quellen:
- "700 Jahre Odershausen – Geschichte und Geschichten
1309-2009",
herausgegeben vom Verein zur Förderung der Dorfgemeinschaft e.V. im
Jahr 2009, S. 57ff. Original: Abdruck in der Wildunger Zeitung vom
09.11.1935
- "Schwarz-Rot-Gold",
Waldeckisches Heimatbuch von Chr. Fleischhauer,
Lehrer in Bergheim, II. Teil Heimatkunde. S. 66-67, Bad Wildungen 1907.
- "Waldeckische
Landeskunde", im Auftrage des Geschichtsverein für
Waldeck und Pyrmont, herausgegeben von Dr. Victor Schulze, Professor an
der Universität Greifswald. S. 122-124, Kommissionsverlag der
Weigelschen Hofbuchdruckerei, Mengeringhausen 1909.
- "Geschichte der Bad
Wildunger Kinos", Gerhard Kessler, Begleitheft zur
Kinoausstellung im Quellenmuseum im August 2019, S. 10. Herausgeber:
Städtische Museen Bad Wildungen.
- "Waldeckische
Ortssippenbücher", Band 61, Deutsche Ortssippenbücher, Reihe A, Band
255, Odershausen. S. 27ff. Bearbeiter Helmut Löwer, Herausgeber
Geschichtsverein e.V. Bad Arolsen 1998. Abhandlung über die Jägersburg
von Heinrich Hochgrebe 1994.
- Informationstafeln an
der Jägersburg
Die
Hässelhütte
Im Jahr 1980 wurde unter der Regie
des
Ortsvorstehers Dieter Münch, der gleichzeitig auch Ortsbeauftragter des
Technischen Hilfswerks (THW) ist, südwestlich von Odershausen Richtung
Jägersburg in einem kleinen Wäldchen im Kaltebornsbachtal eine
Grillhütte errichtet. Mit Hilfe des THW wurde in Eigenleistung vieler
Aktiver und Helfer in vielen Arbeitsstunden die "Hässelhütte" gebaut.
Seit Anfang ist die Hässelhütte ein beliebter Treffpunkt der
Odershäuser. Dort finden seitdem auch die Osterfeuer statt.


Die Hässelhütte am 02.03.2024 (GRav)
Das Leben
und Arbeiten früher "auf dem Dorfe"
Kuhgespann, Friedrich und Heinrich
Schäfer 1935
(Quelle: "700 Jahre Odershausen – Geschichte und Geschichten
1309-2009", herausgegeben vom Verein zur Förderung der Dorfgemeinschaft
e.V. im Jahr 2009, S. 197.)
Heinrich Knüppel mit Pferdegespann
und Ackerwagen vor Krafts Hof im Pärrnerweg im Jahre 1936
(Quelle: "700 Jahre Odershausen – Geschichte und Geschichten
1309-2009", herausgegeben vom Verein zur Förderung der Dorfgemeinschaft
e.V. im Jahr 2009, S. 195.)
Blick vom Dickersberg auf die Koppe
(1915)
(Quelle: "700 Jahre
Odershausen – Geschichte und Geschichten 1309-2009", herausgegeben vom
Verein zur Förderung der Dorfgemeinschaft e.V. im Jahr 2009, S. 226.)
An der Koppe, Adam Reuter
(Quelle: "700 Jahre
Odershausen – Geschichte und Geschichten 1309-2009", herausgegeben vom
Verein zur Förderung der Dorfgemeinschaft e.V. im Jahr 2009, S. 227.)
Getreideernte in Odershausen
Blick vom Dickersberg 1968
(Quelle: "700 Jahre
Odershausen – Geschichte und Geschichten 1309-2009", herausgegeben vom
Verein zur Förderung der Dorfgemeinschaft e.V. im Jahr 2009, S. 223.)
Die Milchlieferanten der Gemeinde
Odershausen im Jahr 1946 ... und im Jahr 1999.
Die Anzahl ist von 72 auf nur noch 4 zurückgegangen!
Blick auf
Ansichtskarten von früher

Die Wildunger Straße, damals noch nicht asphaltiert, rechts das
Gasthaus "Zum Helenental"




Odershausen um 1916
adelstitel









Das Leben
heute "auf dem Dorfe"
Blickrichtung aus Nordosten auf
Odershausen in der heutigen Zeit (Pfeil: Museum)
Die Wildunger Straße (aus der rechten unteren Ecke des Bildes kommend)
ist gut zu
sehen.
Blick auf die Museumsgebäude an der
Wildunger Straße (oben links)
700-Jahrfeier von Odershausen
(24.05.2009 – Foto GRav)

Denjenigen Interessierten, die noch mehr über Odershausen im Wandel der
Geschichte und
über seine Bevölkerung wissen möchten, sei das Dorfbuch "700 Jahre
Odershausen – Geschichte und Geschichten" wärmstens empfohlen. Darin
wird unter anderem das dörfliche Leben im Mittelalter ausführlich
dargestellt und die Beschreibung durch Urkunden, Karten, Lagepläne
und Fotos ergänzt. Gerade das darin beschriebene Salbuch von 1753, eine
Art frühe Steuerakte, gibt Auskunft über die bestehenden
Rechtsverältnisse zwischen Landesherr und Untertanen und über die
Sozialstruktur der
Gemeinde.
Die Geschichte des "Lebendigen Museums" beginnt etwa um
diese Zeit, genauer im Jahr 1741, im Fürstentum
Waldeck. In
alten Dokumenten aus 1741 wird die alte Scheune des "Meyersche
Hofes" zum ersten Mal erwähnt. Nicht sehr viel jünger ist die zweite
Scheune, "Debes Scheune" aus dem Jahr 1758, die heute ebenfalls ein
Teil des Museums ist. Somit bilden die direkt nebeneinander liegenden
Bauernhöfe der
beiden Familien Meyer und Debes bis heute das "Lebendige
Museum Odershausen".
[ Quelle: Das
Dorfbuch von Odershausen "700 Jahre Odershausen – Geschichte und
Geschichten", herausgegeben vom Verein zu Förderung der
Dorfgemeinschaft e.V. im Jahr 2009, Seite 21ff. ]
Einen geschichtlichen Überblick in tabellarischer Form über die Zeit
von 1300 bis heute finden Sie unter Chronologie der Ereignisse im
Laufe der Jahrhunderte.
Zusammengetragen von GRav ohne
Anspruch auf Vollständigkeit. Diese Zusammenstellung ist Bestandteil
der Homepage "Das
Lebendige Museum Odershausen" [.../Geschichte/Orteshusen wird
Odershausen].